Der Shitstorm und das Hupkonzert

Das Hupkonzert

Es war einmal ein Auto, dem die Vorfahrt genommen wurde. Es traf auf einer Kreuzung auf ein grünes Auto, das den Verkehr aufhielt. Und das Hupkonzert begann. Damals wie heute:

Es wird sich empört und es wird geschimpft, wie die Rohrspatzen! Rote Köpfe, rote Ampeln, wohin der Fahrer blickt. Ist ein Auto wieder nicht schnell genug angefahren? Dann noch 40 Minuten im Stau, und die Ampel im Kopf schaltet auf Rot. Aufgeladen von der genommenen Vorfahrt wird zick zack zappzerapp der (vornehmlich) freundliche Autofahrer zum Verkehrsrowdie. Auf die Hupe, auf die Tube – geschützt durch den faradayschen Käfig seines Teils der (anonymisierten) Blechlawine.

Es wird sich empört und es wird geschimpft, bis auch der Letzte aus der hintersten Reihe „Tuut“ gedrückt hat.

Der Shitstorm

In der letzten Zeit wird etwas nicht ganz so Neues, aber immer Beliebteres durch den Geburtskanal gepresst, und die Presse schreibt zigtausende press(e)würdige Glückwunschkarten auf dieses freudige Ereignis. Vorhang auf, Manege frei: Der Shitstorm. Social Media Hype sei Dank.

Es wird sich empört und es wird geschimpft, wie die Rohrspatzen! Rote Köpfe auch ohne rote Ampeln, wohin der User blickt. Hat ein Unternehmen wieder das Serviceversprechen nicht eingehalten? Vorfahrt Kunde? Nix da! Dann noch 40 Minuten in der Warteschleife, und die Ampel im Kopf schaltet auf Rot. Aufgeladen vom schlechten Service wird zick zack zappzerapp (vornehmlich) die Facebook FanPage aufgerufen und der User wird zum Netzrowdie. Auf die Hupe, auf die Tube – geschützt durch den faradayschen Käfig des (anonymisierten) digitalen Ichs.

Es wird sich empört und es wird geschimpft, bis auch der Letzte aus der hintersten Reihe „Like“ gedrückt hat.

Der Hype und der Mensch

Alle machen mit, alle haben ihre Vorgeschichte. Armes grünes Auto. Armes grünschnäbliges Unternehmen.

Und gäbe es eine Kreuzung, die so groß wäre wie Facebook, dann würde auch die Presse über dies oder jenes ohrenbetäubende Hupkonzert berichten. Bis dahin bleibt der Shitstorm pressewürdiges, menschliches Verhalten und tja…das Hupkonzert – nur menschliches Verhalten. Wie es schon immer war und immer sein wird, so wunderschön wie heute – mit und ohne Social Media Hype. Vielleicht schreibt die Presse in naher Zukunft über keines mehr von beiden.

Berichterstattung weicht der Berichtbestattung, wenn der Hype zu Grabe getragen.

Und danach? Bleibt uns immer noch Berlin, ein unangenehmes Geräusch im Ohr und ein Häufchen Kacka. Zu keiner Zeit sind Mistgabeln und Hexenverbrennungen vorzuziehen, denn Shitstorm und Hupkonzert werden wir überleben.

Ach Mensch, der Mensch. Menschenskinder!

 

In social mafolution res – Songtext zum Manifest

Gekocht wird der eigene Brei
Das hat ein Ende, reicht euch die Hände
Niemand gibt Wissenshoheit frei
Baut keine Wände

 

Sozial und konstruktiv ist der Entwurf
Austausch und Ideen
Diskurs ist der große Diskuswurf
Das wollen wir sehen

 

 

Kritik steht nicht in der Kritik
Leidenschaft ist unser Leben
Mitgestaltung ist der Kick
Danach wollen wir streben

 

KPI, NPS olé olé
GfK, TNS und www
Die Marktforschung liegt uns zu Füßen
Denn wir stehen drauf
M(afolution)fg – Mit freundlichen Grüßen

 

Eure Mafolution

PS:
Oh I wish I was a punk researcher with flowers in my hair,
In 2012 mafolution is in the air