Meine dmexco 2013 – Von Analsonden, Nichtigkeiten und Philanthropie

Es folgt eine verspätete, aber voreingenommene und schemenhafte Schilderung ausgewählter Eindrücke vom 18. und 19. September 2013 ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität.

Analsonden

Analsonden

Yahoo, Facebook, Google. Posh-sterile Teeküchen-Stände überfüllt mit Men in Black. So ist anzunehmen, dass die Außerirdischen mit ihren Analsonden nicht weit sein konnten. Kontakt zum Heimatplaneten aufgrund von fehlendem WLAN in den Hallen ausgeschlossen. Puh! Trotzdem trolle mich – vorbei an Hochglanz, Image, Bohnerwachs und Spießigkeit.

Sie sind unter uns und am Ende holten sie mich doch.

 

Nichtigkeiten

„Sind Sie App-Entwicklerin?“. Mein Outfit und meinen schlauen Gesichtsausdruck sollte ich mir merken. Aber die Dmexco-App ist nicht von mir! Bruda, isch schwöre.

Ich habe eine Lieblingsfarbe, ich habe ein Lieblingstier und eine Lieblingshalle. Blau, Pinguin, Halle 7.

Kinofans unter den diesjährigen Besuchern freuten sich über das Remake von Appgeddon vom Starregisseur dmexco. Zur Premiere war der Hauptdarsteller Bruce WLAN leider nirgends zu finden.

Leer, leerer, Halle 6. Können High Heels nicht weiter als Halle 7 tragen?

Philanthropie

BuzzwordsInhalte, Inhalte, Inhalte. Überall ging es um Inhalte. Wer Böses dabei denkt und vom schönen, schnöden Mammon getrieben ist, dem ist nicht verboten das Wort Inhalte durch Umsätze zu ersetzen.

Von Inhalten jedoch möchte ich nicht berichten.

Ich war schon immer ein Philanthrop (Anm. d. Red.: Klare Lüge). So kam ich nicht umher philanthropisch hinter die Produkte zu schauen und den Menschen zu sehen. Und was ich sah, war gut – von den Analsonden abgesehen. Begeisterte Gesichter, engagiertes Gestikulieren, warmes Lächeln. Freude, Wissbegier und Wissensaustausch. Ideen, Neugier und Fragen. Anekdoten, Lachen und Schabernack. Und zu guter Letzt die geschmeidigen Schwätzchen mit und ohne Buzzwords mit alten und neuen Bekannten in der Sonne zwischen Würstchenbude und Aschenbecher.

Für diese philanthropischen Freuden bedanke ich mich in zufälliger Reihenfolge bei: Echobot, m-pathy, blueReport, 12mnkys, talkwalker, Visible Internetmarketing, x_it und Promio.net (Anm. d. Red.: Danke an Promio.net für die „schlagartige“ Zusammenfassung der Marketingwelt von gestern, heute und morgen)

Für die größte Freude und die größte Haxe bedanke ich mich bei meinen stets treuen und famosen dmexco-Begleitungen: aei Marketing-Beratung und Daniela Knoll – Wissenschaftsjournalistin

Bis nächstes Jahr und alle Jahre wieder. Es ist mir eine Menschenfreude.

Social Media Anwenderkonferenz (#Smak12) – Ein prosaischer Rückblick gespickt mit Tweets und Wurst

Ich will einen Shitstorm lostreten, mal so richtig abmotzen garniert mit Buzzwords, böse sein, all das will ich. Und dann. Dann so was. Wie ich es hasse, wenn Dinge gut sind. Es war gut. Mehr als gut. Verdammte Hacke. Hackebeilchen eingepackt, schnurrendes Kätzchen ausgepackt.

3M baut ein Haus. Das Fundament zu erst. Kann nicht jeder. Pfiffig. Die Erfinder haben es halt drauf [1]. Die Social Media Antenne empfängt #TheVoice, Sky HD und die Sau, die sich an der Eiche schabt, in bester Qualität [2]. Die drei Schweinchen sind neidisch. Kein Wolf weit und breit. Freudig aus den Backen blasen anstatt umgepustet werden [3].

Ein Schwein muss dran glauben. Zerkleinert auf der Wurstplatte wird es auf  dem veganischen Schlachtfeld vertilgt [4]. ING DiBa bleibt locker [5] und kommt ins Fernsehen. Manch anderer gründet eine Shitstorm Agentur.

Zurück zum (Jack) Wolf(skin). Zielgruppe im Visier, abzielen, gruppieren und kanalisieren [6]. Der Kunde im Schafspelz sorgt für Kommunikation mit dem gebissenen Überraschungseffekt [7]. Der Fan macht die Arbeit und die Großmutter auf Facebook überlebt [8, 9]. Ein märchen- und marketinghaftes Happy End [10]?

Als kleinen Snack erstmal ‚nen Joghurt [11]. Die Telekom hat den größten Löffel [12] und rührt gekonnt durch pro-aktiven Kundenservice mit dem Mitarbeiter als Sahnehäubchen [13, 14]. Eine Joghurt Kultur, die auch dem Kunden schmeckt und zu keinen re-aktiven Blähungen führt. Oder doch [15]?

Ups, Blähung bei O2. Wir-sind-Einzelfall.de wird über eine Barcamp-Verstimmung zu Montezumas Rache. Ein Kunde mit Eiern [16] wird über die klassischen Medien zum Spiegel(ei) vieler Einzelfälle. Und O2, was sagst Du [17, 18]? Taten statt Worte! Mit transparenten (Netz)Segeln, einem ungeplanten Telekom Zwischenstopp [19], dem Kunden entgegen [20]. Ahoi!

„Ich glotz TV“ sagt der Kunde [21]. Pro7Sat1 gibt dem Glotzer #TheVoice, Videos, Videos, Videos [22] und ‚ne Second Screen für alle Fälle [23]. Ein blähendes Böhnchen durch ein Tönchen auch hier. „Das versendet sich“. Die Masse und Xavier toben, derweil entdeckt Nena das vom demographischen Wandel bedrohte Facebook [24]. Pro7Sat1 lässt nicht fallen [25] und die Fanzahlen hüpfen hoch [26]. Herzensangelegenheit [27]?!

Last but not Least, schalten wir beherzt um zum Paten Teil 2 [28] und holen uns die letzte (Herzens-)Dröhnung mit Dopamin. Ich, Ich, Ich und it’s all about me [29]. Die menschliche Egomanin beflügelt die Douglas Fanpage. Bauchgefühl auch ohne Männerbauch [30].

Bauchspeck für Alle. Es war fett, es war sättigend, es hatte Substanz. Leibeswohl für alle Anwesenden durch Erfahrungen der Referenten am eigenen Leib.

Es war eine Anwenderkonferenz – eine verdammt Gute!

Ehre wem Ehre gebührt! Aber noch mehr Lob gefällig? Mit ist schon schlecht! Aber sei’s drum:

https://twitter.com/TZimmerling/status/243716243260047360
https://twitter.com/flosto/status/243718981008121856
https://twitter.com/t_krischak/status/243724702152015872
https://twitter.com/veerina/status/243737461065404416
https://twitter.com/aeiMarketing/status/243802568491413504
https://twitter.com/tapioliller/status/243752421564768256

 

Der letzte der’s liest, macht die Wurst weg…Danke. Was eine Schweinerei. Wer den Hals noch nicht voll hat – Rückblicke:

http://kommunikation-zweinull.de/social-media-anwenderkonferenz-2012-monitoring-wurstkrieg-und-rasierte-pferde/

http://socialmedia24.eu/smak12/

http://www.pr-journal.de/nachrichten/social-media-web-2-0/12003-social-media-anwenderkonferenz-in-koeln.html

http://andreasherzog.wordpress.com/2012/09/08/smak12-ich-war-dabei/

http://de.brandwatch.com/2012/10/ruckblick-5-social-media-anwenderkonferenz/

Tweets:

[1] https://twitter.com/BiankaBoock/status/243609996246532096
[2] https://twitter.com/resultmafo/status/243612883978686464
[3] https://twitter.com/resultmafo/status/243610588520005632
[4] https://twitter.com/Jens_Rittgerodt/status/243623577528725504
[5] https://twitter.com/tapioliller/status/243626275032420352
[6] https://twitter.com/sabinehaas/status/243642606251278337
[7] https://twitter.com/BrandwatchDE/status/243647046492491776
[8] https://twitter.com/sabinehaas/status/2436475598648821248
[9] https://twitter.com/echtzeitblog/status/243650410999590912
[10] https://twitter.com/webpixelkonsum/status/243684749716099072
[11] https://twitter.com/StephanN/status/2436504551111024648
[12] https://twitter.com/vico_news/status/243687627545509889
[13] https://twitter.com/t_krischak/status/243653185863053313
[14] https://twitter.com/resultmafo/status/243653368264929281
[15] https://twitter.com/t_krischak/status/243653984705982464
[16] https://twitter.com/TZimmerling/status/243682610964987904
[17] https://twitter.com/conpublica/status/243687764430827520
[18] https://twitter.com/StephanN/status/243688013681549312
[19] https://twitter.com/Jens_Rittgerodt/status/243689370270441472
[20] https://twitter.com/moeffju/status/243691197586100224
[21] https://twitter.com/StephanN/status/243693142908481536
[22] https://twitter.com/sabinehaas/status/243696792888307712
[23] https://twitter.com/BrandwatchDE/status/243694103198588928
[24] https://twitter.com/hirnrinde/status/243702593300340736
[25] https://twitter.com/resultmafo/status/243701639767285760
[26] https://twitter.com/resultmafo/status/243699116989886465
[27] https://twitter.com/triplesoz/status/243701342131077121
[28] https://twitter.com/Widget68/status/243713100547760128
[29] https://twitter.com/tapioliller/status/243714975707824128
[30] https://twitter.com/sabinehaas/status/243715157681909760

 

Danke an alle fleissigen Twitterer zu #Smak12!
Ohne Euch keine Wurst!

Die Facebook-Kommerzialisierung – Zwei Funktionen packen aus!

Ich erwarte die Freundschaftsanfrage und den Like-Button in einer Hotelsuite, die eigens für die Pressetermine der Facebook-Funktionen angemietet wurde. Ich bin nur eine von vielen Presseleuten. 10 Minuten hat man für das Interview. Ich nehme Platz und warte. Nach einiger Wartezeit öffnet sich die Tür und die beiden kommen herein. Der Like-Button sieht abgekämpft aus und versteckt sich hinter einer Sonnenbrille. Die Freundschaftsanfrage hingegen drückt mir entschlossen die Hand. Beide setzen sich auf die für sie vorgesehenen Stühle. Es wird Zeit für die erste Frage.

Isistown: Ich freue mich euch beiden hier treffen zu dürfen (beide lächeln bemüht). Über euch wird immer viel gesprochen. Ist diese Presse-Tour ein Ankämpfen gegen das Gerede?
Freundschaftsanfrage: (räuspert sich) Ich würde es nicht unbedingt so nennen. Wir möchten wahrscheinlich nur einige Dinge klarstellen.
Isistown: Und die wären?
Freundschaftsanfrage: Na ja, man sagt uns Dinge nach, die nicht so stimmen.
Like-Button: (unterbricht die Freundschaftsanfrage harsch) Dies trifft vor allem für die Freundschaftsanfrage zu. Um mich ist es anders bestellt. Ich werde für etwas verwendet, für was ich meiner Meinung nach nicht in dem Maße bestimmt bin. Ich sehne mich nach den Anfängen zurück. Als es noch keine Fan Gate Promotions gab und ich noch nicht Teil von Marketing Strategien war. Es war eine gute Zeit. Noch keine 950 Millionen Nutzer und noch keine Kampagnen. Trotz der Promotion-Richtlinien, bin ich dem Kommerz ausgeliefert. Die Schnittstellen schneiden mir ins Fleisch. Deshalb fühle ich mich verkauft und benutzt (macht eine kurze Pause). Außerdem macht mir der Edgerank Druck. Du musst wissen, er fordert geradezu meine Betätigung – der Druck ist immens. Auch wenn ich seine Motivation verstehe. Die Informationsflut ist zu groß heutzutage. Aber dennoch ist es ist wie im Hamsterrad…ja, ein Hamsterrad, das ist es (seufzt und wirkt erschöpft). Während die Kommerzialisierung, gegen die ich nicht ankomme, weiter zunimmt, verliere ich dabei immer mehr an Wert und bin doch unabdingbar. Das ermüdet.
Isistown:  Würdest du es Burnout nennen?
Like-Button: Hmm, kommt dem wohl schon sehr nahe, würde ich sagen (guckt betrübt).
Isistown: Hat dies, seit dem Facebook die Werbemöglichkeiten für Unternehmen ausgebaut hat, zugenommen?
Like-Button: Definitiv!
Isistown: Viele „rechnen“ mit dir?
Like-Button: Ja. Aber es hat sich verändert. Als die Fananzahl noch bejubelt wurde, da wurde ich regelrecht gefeiert. Natürlich habe ich mich damals über meinen plötzlichen Ruhm gefreut. Ich habe mich blenden lassen. Das war dumm von mir. Aber heute? Heute sehe ich klar. Ich bin nur ein Rädchen von vielen im großen Zahnrad der Kommerzialisierung. Heute bin ich den Unternehmen alleine nicht mehr gut genug. Reichweite, Viralität und Interaktionsrate als die neuen Gradmesser für den Unternehmenserfolg auf Facebook. Und die Kommentarfunktion, ja ihr … (stockt) … ihr alleine wird qualitative Interaktion zugesprochen, wo ich und die anderen angeblich nur an der Oberfläche bleiben (trinkt einen Schluck Wasser). Das tut weh. Wahllos werde ich zwar noch immer genötigt und doch bin ich selber wahllos.
Isistown: Das Verhältnis zwischen der Kommentarfunktion und Dir scheint mehr als getrübt. Ein Grund, warum du diesen Pressetermin mit der Freundschaftsanfrage wahrnimmst?
Like-Button: In gewisser Weise. Die Kommentarfunktion und ich können nicht so gut miteinander. Mag sein, dass dies vor allem an mir liegt. Die Kommentar Funktion ist sozusagen Everyone’s Darling. Das macht das Verhältnis untereinander schwierig. Doch auch sie wird heute schon in Formeln gequetscht und kommerzialisiert. Ich denke, Sie wird mein Schicksal teilen. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.
Isistown: Like-Button, danke für Deine Offenheit. Freundschaftsanfrage, du sagtest zu Beginn, du würdest missverstanden. Könntest du das für mich und meine Leser präzisieren?
Freundschaftsanfrage: Ja, gerne (die Freundschaftsanfrage richtet sich etwas auf und lehnt sich mir entgegen). Es fing alles mit der Burger King Whopper Aktion an. Eine reine unternehmerische Kommerz Aktion. Damals wurde ich das erstmal in Frage gestellt und in meinen Grundfesten erschüttert.
Isistown: Bitte schildere die Vorkommnisse kurz.
Freundschaftsanfrage: Es hieß „Whopper Sacrifice“. Es war sehr schlimm. Bis heute bin ich nicht darüber weg. Lösche 10 Freunde und du erhältst einen Whopper gratis, war der Kern der Kampagne. Ein Stich ins Herz. Einen Whopper (empört)! So wurde auch ich das erste Mal hart vom Kommerz und der Kommerzialisierung getroffen. Aber was danach kam, war noch viel schlimmer. Was sei ich eigentlich wert? Was ist schon eine Freundschaft auf Facebook? Der Blätterwald rauschte nur so.
Isistown: Und deshalb auch heute dieser Pressetermin?
Freundschaftsanfrage: Und ich konnte nichts dagegen tun. Gar nichts… (schluckt). Mein Ruf war ruiniert. Ich stellte mich selbst in Frage… (schluckt noch mal).Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was ist meine Bestimmung? Und zeitgleich fühlte ich mich so hilflos. Nun möchte ich einiges klar stellen, aktiv werden und das Ruder in die Hand nehmen.
Like-Button: (hüstelt und wirft ein) Es war eine wirklich schwere Zeit damals.
Isistown: Freundschaftsanfrage, was genau hat dich so getroffen?
Freundschaftsanfrage: In den Anfängen musste mir Facebook einen Namen geben. Jede Funktion braucht ihre Bezeichnung. Facebook entschied sich für Freundschaftsanfrage – nach meiner allerersten Funktionalität. Ja, Freundschaft – damit fing alles an (wirkt entrückt). Aber ich habe mich weiterentwickelt und zwar Hand in Hand mit dem User (sehr bestimmte Äußerung). Bekannte, Familie, Netzwerk und Kontakte aller Art – alles läuft nun unter meiner Schirmherrschaft. Man fragt doch schon lange nicht mehr nach einer Telefonnummer oder E-Mail, sondern „Bist du auf Facebook?“. Ich helfe Menschen in Kontakt zu bleiben. Nicht mehr und nicht weniger, aber mit Freundschaft als der wichtigsten Triebfeder. Doch ich werde wegen meines Namens nur auf diese reduziert und meine vielfältigen Betätigungsgründe interessieren kaum jemanden. Wobei ich die Generation Y hier in Schutz nehmen möchte. Es ist vor allem die Presse, die mich diskriminiert. Ja, das ist es. Ich werde diskriminiert (lehnt sich ermattet zurück in den Stuhl).
Isistown: Der Like-Button merkte eben an, dass sein Verhältnis zur Kommentar Funktion ein angespanntes ist. Wie sieht es mit Dir und dem Abonnement aus?
Freundschaftsanfrage: Ach…(atmet schwer)…das Abonnement hat es so einfach. Es muss keinen zu hohen Erwartungen Stand halten. Aber wir verstehen uns gut. Nein, es gibt keine Ressentiments zwischen uns, dass möchte ich in aller Deutlichkeit sagen.
Isistown: Zurzeit wird viel über die Sättigung des Marktes gesprochen beziehungsweise sogar über einen Rückgang der Userzahlen. Wie seht ihr das?
Like-Button: Ich persönlich habe schon Angst, dass es an der Kommerzialisierung liegt. Eine Sättigung war zwar abzusehen, doch ein Rückgang und somit Abmeldungen würden mich natürlich beunruhigen. Schließlich sind die Freundschaftsanfrage und ich seit Anfang an dabei.
Isistown: Oder weil klar wird, dass Facebook mit eurer Hilfe und wegen des Profits einen falschen Weg eingeschlagen hat?
Like-Button: Nicht unbedingt (räuspert sich). Doch ich sehe hier die Schuld vor allem bei den Unternehmen. Wie ich schon erwähnte, ich bin Opfer von unternehmerischen Kampagnen geworden. Diese sind nicht durch Facebook initialisiert. Facebook ist nur der Rahmen in dem sich die Kommerzialisierung ihren Weg bahnt… (kurze Pause) … Die Kommerzialisierung macht alles kaputt.
Isistown: Hat aber nicht Facebook als Plattform diese Möglichkeiten erst eröffnet? Wir sprachen eben schon über die Schnittstellen. Und muss nicht auch Facebook Profit machen?
Freundschaftsanfrage: (kommt dem Like-Button zuvor) Big Data spielt hier sicherlich auch eine große Rolle. Daten als weitere Einnahmequelle.
Isistown: Und deshalb betreibt Facebook Datenschutz auf Kosten des Users?
Freundschaftsanfrage: (geht über die Nachfrage hinweg) Damals wurde die „Whopper Sacrifice“ Kampagne von Facebook mehr oder minder offensichtlich gestoppt. „Freundschaften löschen“ als unbezahlbarer Informationsverlust. Nicht ich wurde geschützt, sondern der Profit. Eine schmerzhafte Erkenntnis meinerseits (schaut ernüchtert).
Like-Button: Nein, die Wurzel allen Übels ist Raffgier der Unternehmen, diese macht uns zu schaffen. Die Raffgier treibt die Kommerzialisierung voran.
Isistown: Nimmst du Facebook nicht gerade zu sehr in Schutz?
Like-Button: Beiße nie die Hand die dich füttert. Wir beide müssen auch überleben (schaut zur Freundschaftsanfrage).
Isistown: Und inwieweit profitiert ihr beiden von der Kommerzialisierung und vom Börsengang?
Freundschaftsanfrage: (nach einer kurzen Pause) Darüber möchte ich keine Auskunft geben.
Like-Button: Ich denke, die zehn Minuten sind um (resolut).
Freunschaftsanfrage: Ja, das glaube ich auch.
Isistown: Ich bedanke mich für das Interview.

 

 

Return on Interest – Der ROI für den Kunden

Social Media Marketing Warnung. Ich – der Kunde im Social Web – hab’ die Schnauze voll. Gestrichen und Oberkante Unterlippe. Mir steht’s bis hier. Gefällt mir nicht mehr.

Return on Investment

KPI hier, Touchpoint da und der ROI [1] vorne weg. Die Zahlen im Mittelpunkt. Der Kunde am Rand(e des Nervenzusammenbruchs) als Mittel zum Gewinn ohne Punkt. Weiteres Interesse nicht im Budget. Der unternehmerische Social Media Einsatz als Mehrwert für den Kunden? Ach Quatsch. Pustekuchen. Mumpitz. Unberechenbar und unberechenbar. Nicht geplant! Absurd! Ja, spinnst du denn? Markenbotschafter und Influencer als das höchste der Gefühle. Aua.

„Wie viel bringt mir MEIN Social Media Einsatz?“ tönt es gellend aus den nimmersatten Schreihälsen der Unternehmen.

„Wie viel bringt mir DEIN Social Media Einsatz?“ krächzt es unerhört und unerhört aus der Kundenkehle.

Die Vermessung der Welt liegt lange zurück. Heute vermessen wir das Social Web. Vermessen und vermessen. Profilcharts, Balken- und Liniendiagramme als die unternehmerische Social Media Religion am Ende des Monats und der ROI als der heilige Gral zu Weihnachten – Opium für das Unternehmen. Was interessiert uns das Volk? Die Gewinn(spiel)sucht als die einzige Daseinsberechtigung des ROI [2] und das Fanpagekarma [3] als das neue „Brot und Spiele“. Engagement und Interaktion im Social Web nur auf Unternehmenswunsch. Systemfehler 404 – Kundenwunsch konnte nicht gefunden werden.

Return on Interest

Ich fordere 10 Millionen Euro in nicht markierten Scheinen, ein Fluchtfahrzeug und einen ROI für den Kunden. Ich hab da mal was vorbereitet.

∑ (Content mit Mehrwert für den Kunden – Content (Rest)) x  ∑ (Mehrwert der Unternehmensantwort auf Kundenanfrage / Reaktionszeit auf Kundenanfrage)——————————————————————————————
∑  (Nicht beantworteten Kundenanfragen x Unzureichend beantwortete Kundenanfragen) + ∑ Spam Aktionen + ∑ Nervige Promotion

Niedrig ist doof, oder? Das fragt sich auch Vodafone [4]. Selbst wenn von Wettbewerbern oder sonst wie angezettelt – eine Standardantwort mit reinkopierten Namen lässt den Kunden auf Facebook nicht jauchzen. Der König tanzt nicht. Kundenservice fern vom Kunden und fern vom Service. Ferne als die zu kalkulierende (Kunden)Nähe. Hauptsache, die Erwartungen an die Zukunft des Social Media Kundenservice sind hoch und realitätsnah – und durch nicht vorhandene und falsche Handlungen realitätsfern [5]. Bautz Hosenboden und Prosit.

Le ROI est mort, vive le ROI!

[1] http://allfacebook.de/pages/return-on-investment/

[2] http://marketingberater20.de/2011/12/social-media-trends-2012/

[3] http://www.fanpagekarma.com/

[4] http://t3n.de/news/vodafone-405108/

[5] https://twitter.com/isistown/status/230623459737214976

Warum jedes Unternehmen die Finger von automatisierten Inhalten lassen sollte – Hasch mich, ich bin der #Hashtag

Da erwischte es mich jüngst schon wieder. Peinlich, peinlich! Aber immer offen mit eigenen Unzulänglichkeiten umgehen und am besten noch einen sinnvollen Blogpost daraus machen. Wie sagt man? Aus Zitronen Social Media Content machen. Wunderbar. Ich schlag ein. Hier bin ich, die Social Media Heroine, in meinem Auftrag Unternehmen vor den automatisierten Inhalten zu bewahren.

Vor circa drei Wochen erwische ich mich dabei einen Hashtag zu googeln. Raute alias Hashtag und drei Buchstaben. Und da ist man jetzt seinerseits auf seinen vier Buchstaben und schaut ziemlich ertappt drein. Man ist auf einmal nicht Teil – gar ausgeschlossen ist man. ‚Teil von Was‘ aber nun? Da kommt die Wissenshoheit ins Spiel und präsentiert sich relativ dreist. Ich haderte mit diesen drei vermaledeiten Buchstaben und darüber sollte ich froh sein, jauchzzz. Eine Vielzahl der deutschen Bevölkerung, auch als Nicht-Twitter-User bekannt, wird an der Raute scheitern. Die Wissenshoheit läßt grüßen. Gehe ich diesen Gedankenschritt weiter, lande ich ratz und auch fatz bei den wichtigen Eigenheiten, Attributen und Spezifikationen jedes Social Media („Technologie“!) Anbieters: Jede Social Media Plattform bzw. jeder Social Media Kanal unterscheiden sich grundlegend und besitzen Alleinstellungsmerkmale, die ihnen oft durch ihre Technologie und ihren Zweck inhärent sind. Aus ihrer inneren Form ziehen die Anbieter ihre Existenzberechtigung. Und am Ende stehen Social Media Milieus. Auf all das komme ich gleich zurück. Nur noch etwas Geduld. Dies war nur der Prolog.

Fallbeispiel: In der einen Ecke: Facebook. In der anderen Ecke: Twitter – Soziales Netwerk gegen Mikroblogging-Dienst.

Ein Fallbeispiel aus guten Gründen. Erster Grund ist der Bekanntheitsgrad bzw. die Nutzerhäufigkeit. Facebook als führender Anbieter bezogen auf soziale Plattformen und Twitter als führender Anbieter bezogen auf Mikroblogging. Zweiter Grund ist die Einfachheit automatisierten Inhalt zu erzeugen: Mit einem Klick auf Seiten Twitters ist der gepostete Tweet just in das jeweilige eigene Facebook-Profil eingebunden.

Aber genau da liegt der bissige Hund begraben. Ich setzte nur ein Häkchen – Und ich erreiche ganz Deutschland, ach quatsch, die ganze Welt! Es ist ein Kinderspiel, aber Kinder sollten nicht mit Feuer spielen. Die Verführung ist groß und der Teufel liegt im Detail: Es ist einfach, schnell und vor allem kostengünstig. Passend zur herrschenden (Unternehmens-)Kultur in Deutschland. Nun wird es aber Zeit, die Butter vom Brot zu nehmen. Ich greife wie angekündigt heroisch ein. Warne aber an dieser Stelle eindringlich: keine reine Reduktion auf das hier erbrachte Fallbeispiel! Übertragbarkeit ist schwer erwünscht und muss erbracht werden. Aber nicht von mir, was ein Glück. Auch eine Heroine muss Grenzen setzen. Und nicht nur das, sie muss sich auch treu bleiben. Deshalb warne ich zugleich, dass hier keine Liste abgefrühstückt wird. Ich unterwerfe mich nicht der derzeitigen Popularität von Punktelisten (10 reasons why you should not…) Die Gründe bedingen sich teilweise gegenseitig, entstehen erst aus einem anderen gegebenen Grund, überschneiden sich und enthalten nicht nur einen in sich einzelnen Aspekt. Im wahrsten Sinne spiegelt sich hier „Social Media“ wider – keine ganz einfache Nummer. Nun aber ab zu der Tragödie (der automatisierten Inhalte), der Prolog liegt schon einige Zeilen hinter mir.

Gründe gegen automatisierten Inhalt

Technologie – Jedem Anbieter obliegt eine andere Technologie, die wiederum in den Spezifikationen des jeweiligen Kanals münden  

Jede Plattform, jeder Kanal hat einen anderen Sinn und ein anderes Ziel, welche dementsprechend bedient werden müssen. Facebook ist als soziale Plattform entwickelt worden. Wobei wir natürlich alle wissen, dass hinter allem die Abfrage des Beziehungsstatus liegt. Ganz frei nach dem Motto, ich weiß, was du letzten Sommer getan hast. Ein Schelm wer böses dabei denkt. Freunde sollen sich finden, ein Profil anlegen, etwas über sich erzählen. Ein erstes digitales Ich ist geboren. Das eigene Profil liegt im Zentrum der Technologie. Dazu gehört die eigene Pinnwand, über die meine Freunde mit mir in Kontakt treten können. Neben dem Ich steht das Soziale im Mittelpunkt. Hinter Facebook liegt die Technologie, genau dies auszuleben. Facebook ist eine Plattform mit den Funktionen Profil, Pinnwand, Nachrichten, Fotos, Statusmeldungen etc. Ich schreibe über mich, ich kommentiere, ich teile, ich empfehle, ich chatte – ich ‚socialise’. Und wenn Unternehmen hier mitspielen wollen, müssen sie auch genau dieses tun – ‚socialisen’. Hier liegt das große Potential für eine ausgefuchste Unternehmens-Kommunikation im Web 2.0. Der Inhalt sollte und muss sogar an all diese Möglichkeiten angelegt sein und diese nutzen. Ein automatisierter Inhalt ist mehr als nur kontraproduktiv.

„Twitter ist doch auch eine soziale Plattform“ mag jetzt mancher aufschreien. Beschwichtigend greife ich ein. „Ja, eine Plattform schon“ entgegne ich. Doch mit einem ganz anderen Ziel als Facebook. Hier liegt das Ziel nicht im ‚socialisen’, sondern in der Verbreitung von Nachrichten. Hier stelle ich mich wagemutig gegen Wikipedia. Auf Wikipedia wird Twitter unter anderem auch als soziales Netzwerk beschrieben [1]. Natürlich kann ich in Kontakt mit anderen Usern treten. Sozial ist nicht ausgeschlossen. Aber der Fokus liegt auf dem Mikroblogging – der Verbreitung von kurzen Nachrichten in Echtzeit. Deutlicher wird dies bei einem Blog, dem großen Bruder vom Mikroblog. Ein Blog ist eine Art öffentliches Tagebuch in chronologischer Reihenfolge und Sie baden gerade Ihre Hände drin. Ich erzähle und ihr hört zu. Ich!

Um das Ziel der Verbreitung von Kurznachrichten in Echtzeit zu gewährleisten, hat Twitter starke technologische Grenzen gesetzt. Schnell, schneller, Twitter. Ihr habt 140 Zeichen, mehr nicht. Ihr habt auch nicht mehr Zeichen, um euer digitales Ich zu präsentieren. Selbstdarstellung bitte woanders, aber nicht hier. Kurz, prägnant und jetzt. Binde ich nun meinen Twitter-Inhalt auf Facebook ein, schreie ich meinen Freunden ein Hallo und eine kurze Info ins Gesicht, drehe mich auf dem Absatz wieder um und verlasse das Parkett. Was ein Auftritt. Ein Auftritt, der sicherlich in Erinnerung bleiben wird, aber gewiss nicht so wie ich es wollte und gewiss auch nicht zu meinem Vorteil. An dieser Stelle gehe ich sogar noch davon aus, dass meine Freunde mich verstanden haben. Aber ist das der Fall?

Sprache – Let’s talk about Social Media

Aus der gegebenen Technologie entwickelt sich eine dazugehörige Sprache. Eine Sprache von der Technologie vorgegeben und notgedrungen. Der Hashtag konnte nur auf Twitter erfunden bzw. erzwungen werden. In der Not frisst der Teufel fliegen. Und der Hashtag ist gefundenes Fressen. Auf Facebook bin ich weniger limitiert und vor allem nicht auf 140 Zeichen. Aufgrund dieser Limitierung musste sich auf Twitter eine ganz eigene Welt bzw. Sprache entwickeln, damit sich die User in ihrem begrenzten Mikrokosmos verstehen. Ein Mikrokosmos durch Mikroblogging. Ein Wortspiel. Ach, wie ich das mag. Nun aber ausgefreut aka ‚ausgefälltmir’, weiter geht’s. Es kann nicht erwartet werden, dass die Twitter-Sprache jeder spricht. Niemand spricht den deutschen Markt auf Chinesisch an.

Es gibt Schnittmengen bei Facebook und Twitter, aber geringe. Geringe, gerade ausgelöst durch die unterschiedliche Verbreitung dieser Anbieter, obwohl sie zu den größten Ihrer Zunft gehören. Ich bin zum Beispiel eine Schnittmenge. Ich spreche Twitterisch und Facebook. Alles weitere dazu unter: Verbreitung. Zurück zur Sprache. Wie besprochen liegt auf Facebook in dem Sinne keine Limitierung meines Inhalts vor. Warum also auf Hashtags zurückgreifen, wenn ich doch meinen Inhalt mit meinen Worten in voller Gänze verbreiten kann. Ich kann und möchte eine persönliche Note setzen – auch Unternehmen. Ich will mich auf kein Kürzel beschränken. Ich kommentiere und ‚Like’ wild in der Facebook-Welt herum – ein richtig wilder Feger bin ich. Ich kann ganze Links an meine Statusmeldungen hängen, sogar mit schönem Vorschaubild. An dieser Stelle verweise ich dezent auf den Punkt Technologie. Warum also auf einen Service wie „bitly“ [2] zurückgreifen?

Spreche ich eine Sprache und Andere nicht, weiß ich immer mehr und grenze darüber – auch ungewollt – aus.

Wissenshoheiten – Ich weiß was, was du nicht weißt

Auf Twitter haben sich Wissenshoheit herausgebildet, die Facebook-User ohne Twitter-Account nicht haben und diese ausgrenzt. Eine Sprache zu sprechen ist eine Wissenshoheit. Wissenshoheit fasst aber noch viel mehr als das gesprochene Wort und die Kniffe der gegebenen Technologie zu kennen und sich erfolgreich in dieser Umgebung zu bewegen. Die Wissenshoheit von Twitter gegenüber Facebook ist die Aktualität bzw. Echtzeit, die wiederum fein säuberlich in Hashtags verwandelt wird. Wie zurzeit, vor allem die letzten drei Tage – was ein Timing – just der Hashtag #rp12 (re:publica) deutlich macht [3]. Wer nicht Twitterisch spricht, steht wie Ochs vorm Berg. Hasch mich ich bin der #Hashtag. Wissenshoheit auf den Punkt bzw. auf ein Zeichen gebracht.

Habe ich nun meinen Inhalt von Twitter auf Facebook eingebunden, gehe ich fälschlicherweise davon aus, dass dort alle soviel wissen wie ich. Ich erwarte nicht nur Kenntnis über die Raute, sondern absolute Kenntnis über alle aktuellen Geschehnisse in Deutschland, über alle Themengebiete und alle Hashtags dieser Welt. Das nenn ich mal ’ne krasse Erwartungshaltung. Nicht schlecht Herr Specht. Das grenzt ja fast an meinen Wagemut. Die unterschiedlichen Wissenshoheiten kann ein automatisierter Inhalt nicht berücksichtigen und Unternehmen laufen eher Gefahr ihre Kundschaft zu verprellen als diese für sich zu begeistern, diese zu binden und – aus Facebook-Sicht – treue und aktive Fans zu generieren.

Verbreitung – Schnittmengen zwischen den Anbietern, aber Nicht Jeder Ist Überall

Facebook ist für Jedermann. Alle meine Freunde sind da – fast. Es gibt auf der Welt 900 Millionen Facebook-Nutzer Anfang April 2012 [4] (Anm. d. Red.: Hinter dem Link versteckt sich Sprache aka Wissenshoheit als Exempel – Am eigenen Leib lernt man besser). Ganz und gar nicht aus dem Hut gezaubert, haben wir ein Alleinstellungsmerkmal von Facebook – Die Verbreitung. Facebook weist damit alle anderen Anbieter sozialer Netzwerke in die Schranken. Kein Anbieter kann zurzeit konkurrieren – einige drohen sogar zu sterben. Facebook besitzt eine eindeutige Vormachtsstellung. Ich bin beeindruckt und gratuliere. Sieht man von China ab, gratuliere ich auch Twitter. Respekt. Beide sind zwar führend in ihrer Verbreitung, aber die Überschneidung der User ist in Deutschland noch minimal. Die vorherrschenden geringen Schnittmengen der beiden Anbieter machen automatisierte Inhalte zu einem ‚Risky Business’. Tom Cruise und Chuck Norris wissen das.

Man ist bei Facebook, aber man ist noch lange nicht bei Twitter. Twitter steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, seien es passive oder aktive Nutzer, und auch wenn unser Baby ganz schön schnell wächst [5]. „Oh wie süß“ könnte man jetzt unken. Twitter jedoch macht die Regeln. Die erforderten Wissenshoheiten um mitzuhalten, sind bei Twitter mehr ausgeprägt. Obwohl der Verbreitungsgrad geringer ist. Was passiert, wenn ich meinen Inhalt von Twitter automatisch in Facebook einbinde? Reaktion auf Facebook: Bahnhof. Was soll die Raute? Was ist dieser kryptische Link? Ist das Spam? Ist das sogar ein Trojaner? Ich verstehe nur spanisch und erreicht wird das Gegenteil von Spaniens Blüten blühen. Hier setzt ein Unternehmen im ‚Worst Case’ eine ganze Jahresernte in den Sand. Das Vertrauen in den Inhalt ist gering. Das Anklicken des Inhalts ist gering. Das Involvement ist gering.

Durch die geringen Schnittmengen treten Sprache und Wissenshoheit noch mehr in den Vordergrund und verstärken den negativen Effekt von automatisierten Inhalten.

Zielgruppen – Ich weiß, was ich will und wie viel ich bereit bin dafür zu geben

Warum diese geringen Schnittmengen? Wer ist wo und warum? Der User entscheidet sich ganz rational für den Social Media Anbieter seiner Wahl oder auch für mehrere, um unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen. Hier trifft der User seine Entscheidung wie ein Kunde, der einen Mobilfunkanbieter aussucht. Wo bekomme ich das, was ich will zu einem fairen Preis. Der Preis stellt hierbei die Einstiegshürde dar. Wie wir nun schon gelernt haben, muss ich für Twitter erst noch einen Sprachkurs besuchen. Gibt es den eigentlich schon an der VHS? Nächstes Semester Twitter-Kurs 3412 für Anfänger in Raum 13.

Will ich nur meine Freunde sehen, dann reicht mir Facebook. Was brauch ich den ganzen anderen Kladderadatsch! Jeder Social Media Kanal spricht eine eigene Zielgruppe an. Wobei sich die Facebook Zielgruppe aufmacht die ganze Menschheit zu sein. Wer hat keine Freunde? Wobei bekanntermaßen das ‚socialisen’ vor allem ein Frauending ist [6]. Wessen Ding ist jetzt aber Twitter? Der mobile Internet User ist im Gegensatz zum statischen Internet User allzeit bereit zu twittern und zugetwittert zu werden. Ich kann mich nicht erst abends einloggen und in Ruhe bei einer Tasse Tee das Tagesgeschehen auf Twitter begutachten. Die Vielzahl der aufgelaufenen Informationen ist zu groß [7]. Es kommt dazu, wozu es kommen muss. Die Masse der Tweets eines Tages erschlägt einen und der ganze gute Tee ist verschüttet. Der Twitter-User wird notgedrungen zum Echtzeit-User. Diese Zielgruppe unterscheidet sich darin deutlich von dem ‚gemeinen’ Facebook-User.

Über Hashtags bilden sich verschworene Gemeinschaften (siehe #rp12), die Informationen/Nachrichten in Echtzeit und in Geheimsprache in die Welt setzen. So eine bin ich auch. Wäre ich keine Social Media Heroine, dann könnte mir Twitter auch gezwitschert bleiben. Aber es ist für mich unerlässlich. Ärzte müssen Fachzeitschriften lesen, um über die neueste Medizin Bescheid zu wissen. Rechtsanwälte müssen die neuesten Gesetzgebungen verfolgen. Ich muss Twitter lesen, um über Social Media Bescheid zu wissen – um ein Teil davon zu sein.

Das inhärente Ziel jeden Anbieters legt den Konsumenten des jeweiligen Angebots fest und manifestiert die Zielgruppe.

Alleinstellungsmerkmal – Ich habe das, was kein anderer hat.

Twitter und die Echtzeit – ein Alleinstellungsmerkmal ist geboren. An dieses Merkmal kommt Facebook nicht ran, wiederum bedingt aus dem inhärenten Ziel der Anbieter. Twitter ist und bleibt Mikroblog. Basta! Und dies betone ich gerne noch mal, auch wenn es vielen schon aus dem Hals heraushängt. Aber wir sind fast am Ende, wir haben es fast geschafft. Der Anspruch an Echtzeit ist bei Twitter gegeben. Twitter besitzt die Hoheit über die Zeit und die Aktualität. Die Auseinandersetzung mit Inhalten auf Twitter ist nur Nebensache. Die Auseinandersetzung findet nicht auf Twitter, sondern dann auf dem eigenen Blog, statt. Twitter ist Informationsquelle und Informationsverteiler Nummer eins – gerade weil Twitter limitiert und Kürze und Würze erzwingt.

Facebook besitzt die Hoheit über das Soziale und wie erwähnt über den Beziehungsstatus. Bei Facebook stehen das Soziale und die Auseinandersetzung mit Inhalten im Vordergrund. Niemand bei Facebook muss top informiert sein, um überhaupt mithalten zu können. Die Inhalte, die einem zur Verfügung gestellt werden, kommen mit  Hintergrundinformationen oder sollten es zumindest. Ich sage sogar, sie müssen es. Davon rede ich doch die ganze Zeit! Das Ziel auf Facebook ist die Auseinandersetzung und die Kommunikation über die Inhalte. In dem Sinne muss ich die Inhalte gestalten. Das Alleinstellungsmerkmal von Facebook ist das ‚Socialisen’ mit einem gleichzeitig ungeschlagenen Verbreitungsgrad.

Der Anspruch an den verbreiteten Inhalt muss sein, selber in sich ein Alleinstellungsmerkmal zu tragen. Und dies kann über eine Automatisierung nicht erfolgen!

Wenn ich all das als Unternehmen ausblende, setze ich mich freiwillig auf die stille Treppe und spiele nicht mit. Und vielleicht droht mir durch mein Fehlverhalten sogar das Wutzelt. An alle Unternehmen: Schminkt euch die automatisierten Inhalte ab. Demaskiert euch selber, bevor es jemand anderes tut! Ups, ja richtig: Zu spät!

Nach dem ganzen Laberhababer noch ein nachdenklicher Epilog.

Technologie, Sprache, Wissenshoheit, Verbreitung, Zielgruppe und Alleinstellungsmerkmale haben zur Bildung von Milieus geführt – Social Media Milieus. Und wenn ich jetzt über den Tellerrand meines Fallbeispiels schaue, dann wird dies durch die sozialen Plattformen aus der zweiten Reihe oder durch die Nischenanbieter noch deutlicher. Die soziale Netzgemeinde ist nicht gleich. Social Media Milieus klassifizieren das Web 2.0. Man ist Teil oder man ist es nicht.

 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter

[2]  http://bitly.com/

[3] http://buzzrank.de/2012/05/infografik-zur-republica-2012-tag1/

[4] http://www.blogdumoderateur.com/index.php/post/facebook-10-chiffres-retenir-premier-trimestre-2012

[5] http://www.focus.de/digital/internet/netzoekonomie-blog/social-media-twitter-erreicht-allzeithoch-in-deutschland_aid_714451.html

[6] http://www.fundh.de/?p=220

[7] http://www.internetworld.de/Nachrichten/Medien/Social-Media/Twitter-hat-140-Millionen-aktive-Nutzer-340-Millionen-Kurznachrichten-pro-Tag